Mittwoch, 11. November 2009

Informatikabsolvent: Forschung oder Industrie


Jeder Master-/Diplom-Student muss irgendwann einmal die Entscheidung treffen, wie das Leben nach dem Studium eigentlich aussehen sollte. Zur Auswahl stehen meist Industrie oder Forschung. In den seltensten Fällen werden direkt nach dem Studium auch Start-up Unternehmen gegründet. Sehen wir uns also mal eine typische Informatikerkarriere in einem Mittelständischen Unternehmen an und vergleichen diese gegen 4-5 Jahre mehr auf der Universität, um den höchsten akademischen Grad, nämlich den des Doktors (Dr.), zu erreichen.

Ein frischer Informatikabsolvent muss in einer Firma natürlich erstmal lernen, wie kalt das Wasser wirklich ist. Die klare, zerbrechliche Kristallwelt der Theorie und die harte, dunkle Praxisrealität gehen oft so weit auseinander wie die Politik von Nord- und Südkorea. Wenn eine Firma heutzutage Agile Software Development als Entwicklungsvorgehen angibt, dann bedeutet das meistens übersetzt: "Die Projektstruktur und Programmkomponenten verstehen wir zwar schon seit zwei Jahren nicht mehr, aber wir müssen bald ausliefern, also schreib jetzt dieses verdammte Feature in den Code". Das heisst übrigens für den frischen Absolventen: Historisch gewachsener oder Legacy Code.


Evolution der Menschheit

Der Punkt ist allerdings, dass der Absolvent in einem Unternehmen kaum Entscheidungsfreiheit darüber hat, was er da tun kann. Er hat eben genau die Freiheit, das zu entwickeln, was die Kunden dem Arbeitgeber und der Arbeitgeber dem Absolventen aufgibt. Dabei ist dem Nicht-informatiker zu sagen, dass die Informatik grundsätzlich nichts mit Programmierung zu tun hat. Es gibt in der Tat Informatikabsolventen, die während ihres Studiums noch nie programmiert haben. Das Programm ist lediglich die Umsetzung bzw. Implementierung des Konzeptes, dass sich ein anderer Informatiker überlegt hat. Programmieren muss der Absolvent aber letztendlich trotzdem immer und dann nichtmal was oder in welcher Programmiersprache er will.

Blaues Wunder in Dresden

Für den Absolventen, der sich für die Industrie entschieden hat, ist das Wasser noch viel kälter, wenn der Grund für diese Entscheidung darin liegt, dass er nun nicht mehr lernen muss. Ganz im Gegenteil; jetzt werden Entwicklungsvorgehen, Programmiersprachen, Projektstrukturen und vor allem Technologien gelernt. Wer das blaue Wunder in Dresden kennt, weiss, dass, wenn die Maler auf der einen Seite fertig sind mit dem Streichen, von vorn wieder angefangen wird. Genauso ist es in der schnell-lebigsten aller Industrien, der Informatikindustrie. Was heute gültig war, kann morgen ganz anders sein. Gelernt muss also immer werden, wenn man am Ball bleiben will.

Ein höheres Einkommen sollte übrigens auch nicht Grund der Entscheidung eines Absolventen für die Industrie sein. Denn das ist nur kurzfristig höher. Auf lange Sicht verdient ein Doktor mehr. Dazu fehlen mir allerdings an dieser Stelle genauere Statistiken.

Doktor der Informatik

Der Absolvent, der sich für den Doktor entscheidet, kann noch ein wenig in der zarten Kristallwelt weiterleben. Bezahlt wird er meistens vom Lehrstuhl. Die Forschung ist auch in der schlimmsten Finanzkrise ein zahmes Pferd. Am Wichtigsten ist für mich allerdings im Augenblick die Entscheidungsfreiheit. Es gibt soviele interessante Themen an denen ich gerne arbeiten würde, worüber ich nachdenken könnte. 1941 wurde von Konrad Zuse mit dem Z3 der erste Computer gebaut. Mit 66 Jahren ist die Informatik also unglaublich jung. Ein Professor meinte mal, dass die Revolution uns in der Informatik noch bevorsteht. Warum also nicht Teil der Revolution werden?

Da kommen wir gleich zum nächsten interessanten Punkt: Absolventen sind grundsätzlich naiv. Allerdings kann das gern in einem anderem Beitrag erörtert werden.

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Was es sonst noch so gibt:

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